Porträt: Koreas Dynastie

Der Vater fuhr noch Reissäcke mit dem Fahrrad aus, der Sohn machte aus dem Familienunternehmen einen Technik-Giganten von Weltformat. Samsung-Boss Lee Kun Hee kann selbst Apple-Chef Tim Cook gefährlich werden. Doch seine Nähe zum Staat könnte dem Unternehmen des mächtigen Koreaners schaden.

Eine Wutrede kann helfen auf dem Weg zum Weltkonzern. Der damals wie heute amtierende Samsung-Chef Lee Kun Hee sah Anfang der neunziger Jahre sein Unternehmen in Gefahr. Ineffizienz, schlampige Verarbeitung und ein verkrustetes Management passten mit den Welteroberungs-Plänen des Firmen- und Familienlenkers nicht zusammen. Nach vernichtender Kritik an einem Design-Zentrum des koreanischen Konzerns verkündete er Pathetisches: „Ich verspreche von diesem Tag an, dass ich für die Durchführung des neuen Managements meinen Ruf und mein Leben einsetzen werde.“ Auch von seinen Mitarbeitern verlangte er einen Neuanfang: „Tauscht alles und ändert alles, was ihr habt – außer eure Frau und eure Kinder.“

Samsung ist ein Chaebol, einer der großen südkoreanischen Mischkonzerne, die in der Hand einzelner Familien sind. Und in einem Chaebol setzt der Patriarch seinen Willen durch. Er krempelte die Firma radikal um, feuerte 30.000 Angestellte, ließ – unerhört in vielen Firmen des Landes – ausländische Manager in die Führungsetage, bezahlte seine Mitarbeiter nach Leistung und investierte in Digitales.

20 Jahre später ist Samsung Electronics der größte Elektronikkonzern der Welt. In Sachen Smartphones könnten die Koreaner Apple mit dem Galaxy S4 vom Digital-Thron stoßen. Fast jedes dritte verkaufte Handy kommt von ihm. Das Unternehmen erwirtschaftet ein Fünftel von Südkoreas jährlichem Staatshaushalt. Auf die Vorstellung seiner neuen Produkte blickt die Technik-Gemeinde so gebannt wie sonst nur auf die Vorführungen des Rivalen Apple.

Im Vergleich zu den Kaliforniern ist der Konzern ein scheuer Riese geblieben. Ein Unternehmen, dessen verzweigte Strukturen und Beteiligungen, Machtverhältnisse und Arbeitsweisen schwer zu durchschauen sind. Neue Produkte werden wie Staatsgeheimnisse gehütet, immer wieder werden Korruptionsvorwürfe erhoben. Denn wirtschaftliche und politische Macht gehen in Südkorea schon lange eine noch engere Allianz ein als anderswo.

Ein Grund für den raschen Erfolg von Samsung lag auch in der koreanischen Kultur der Chaebols. Eine Riege von Familien sollte nach Meinung der Staatslenker das Land aufbauen und das Wachstum befeuern. Sie waren es, die Unternehmen wie den Autobauer Hyundai oder den Elektronik-Produzenten LG groß machten. Der Staat half ihnen durch generöse Subventionen und rechtliche Bevorzugung. Von guten Kontakten zur politischen Elite profitierten auch die Lees.

Erschienen in der Süddeutschen Zeitung

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